FC Rot-Weiß Wolgast
-
HSG Uni Greifswald
1:2
(0:1)
FC Rot-Weiß Wolgast
Die Wurzeln des Fußballs in Wolgast reichen bis in die 1920er-Jahre zurück, als in der Stadt am Peenestrom die ersten Sportplätze entstanden. Damals gab es mit der „Freien Turnerschaft“, einem Arbeiterverein, und der bürgerlichen Deutschen Turnerschaft zwei parallele Vereinsstrukturen – ein Bild, das für viele deutsche Provinzstädte jener Zeit wohl typisch war. Zu welchem der beiden Vereine der damalige FC Rot-Weiß gehörte, hab ich aus den verfügbaren Quellen allerdings nicht wirklich verstanden.
Nach dem Krieg durchlief der Wolgaster Fußball eine Odyssee an Umbenennungen: Aus dem ursprünglichen FC Rot-Weiß, der 1945 aufgelöst wurde, entstand zunächst die SG Wolgast, später Wacker Wolgast und kurz darauf Sturmvogel Wolgast. Mit der Gründung der Betriebssportgemeinschaften entstand schließlich die BSG Motor Wolgast. Unter diesem Namen erlebte der Wolgaster Fußball seine erfolgreichste Zeit.
Motor Wolgast schaffte 1963 erstmals den Aufstieg in die DDR-Liga, damals die zweithöchste Spielklasse der DDR. Nach dem direkten Wiederabstieg etablierte sich die Mannschaft zunächst wieder in der Bezirksliga Rostock, ehe Ende der 1970er-Jahre zwei weitere Gastspiele in der DDR-Liga folgten. 1977 gelang erneut der Aufstieg, 1980 sogar ein drittes Mal. Dauerhaft konnte sich Wolgast in der zweithöchsten Spielklasse allerdings nicht etablieren.
Auch einige bekannte Namen des DDR- und späteren deutschen Fußballs haben ihre Spuren in Wolgast hinterlassen. Hans-Ulrich Grapenthin, später langjähriger Torhüter des FC Carl Zeiss Jena und DDR-Nationalspieler, spielte in seiner Jugend bei Motor Wolgast. Gerd Kostmann wurde später zweimal Torschützenkönig der DDR-Oberliga. Und mit Axel Kruse sowie Tim Sebastian schafften es zwei weitere ehemalige Wolgaster bis in die Bundesliga.
Nach der Wende brachen die Strukturen der Betriebssportgemeinschaft weg und auch der Wolgaster Fußball musste einen deutlichen Rückschlag verkraften. Die frühere Fußballabteilung des SV Motor 1949 Wolgast wurde schließlich 2001 als eigenständiger FC Rot-Weiß Wolgast ausgegliedert. Seitdem ist der Verein wieder unter seinem heutigen Namen unterwegs und spielt im regionalen Amateurfußball Mecklenburg-Vorpommerns. Sportlich bewegt sich der FC Rot-Weiß Wolgast seither überwiegend im tieferen Amateurbereich. Aktuell tritt die erste Mannschaft in der Landesliga Mecklenburg-Vorpommern Ost (7. Liga) an.
Stadion
Heimstätte des FC Rot-Weiß Wolgast ist das Peene-Stadion. Die Geschichte der Sportanlage reicht ein Jahrhundert zurück. Bereits um 1925 wurde an dieser Stelle auf dem Gelände einer ehemaligen Kiesgrube ein Sportplatz angelegt. Initiator war die Freie Turnerschaft Wolgast. In den folgenden Jahren wurde die Anlage erweitert und erhielt unter anderem eine Aschenbahn.
Der eigentliche Bau des Peene-Stadions fand zwischen 1953 und 1960 statt. Maßgeblich vorangetrieben wurde der Bau von den Werftarbeitern und Bürgern der Stadt im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerks“.
Wenn man heute die neuen Stadien in Rostock, Dresden, Zwickau oder Chemnitz sieht und einmal die Vereinsinsignien weglässt, sind diese geografisch kaum zuzuordnen. Hier in Wolgast ist hingegen noch unverkennbar, dass das Stadion auf dem Gebiet der ehemaligen DDR steht. Das Funktionsgebäude, die Garagen, der Ground an sich – das gab es so einfach nur hier.
Interessant fand ich auch die Anzahl der Fahnenmasten im Stadion. Es gibt gleich sechs Triple-Fahnenmasten: In der Mitte jeweils einen hohen Mast und links und rechts davon zwei kleinere. Und davon eben gleich sechs Stück. Wofür die ursprünglich gedacht waren, würde mich tatsächlich mal interessieren.
Auch die Verpflegung hier ist unverkennbar. Es gab die obligatorische Bockwurst mit ungetoastetem Toastbrot. Zusammen mit einem Wasser für schmale 3 Euro. Vieles hat sich mittlerweile in Deutschland, 35 Jahre nach der Wiedervereinigung, zwischen "Ost" und "West" vermischt. Doch wollte man aus irgendwelchen Gründen die Mauer wieder hochziehen und würde dafür einfach die Fußballplätze mit Bockwurst einschließen und die mit Bratwurst ausschließen, würde die historische Grenze vermutlich ziemlich genau getroffen werden.
Spiel
Leider war ich wieder eine Woche zu früh im Norden, sodass alles unterhalb der fünften Liga noch nicht im Spielbetrieb war. Dafür ist es die Zeit der Vorbereitungsspiele, die dann auch gerne mal unter der Woche ausgetragen werden. Seit 20 Jahren bin ich jedes Jahr hier in der Gegend und habe es, abgesehen von einem E-Jugendspiel, noch nie geschafft, hier mal ein Spiel zu sehen. Heute ist der Ground somit endlich abgehakt.
Zu Gast war mit der HSG Uni Greifswald ein Team aus der Landesklasse, also eine Liga unter Wolgast. Wobei ich in der ersten Halbzeit sogar Greifswald besser fand. Kurz vor der Halbzeit gingen die Gäste verdient mit 0:1 in Führung. In der zweiten Halbzeit war das Bild dann komplett anders. Wolgast übernahm die Spielkontrolle und Greifswald rührte Beton an. Trotzdem erzielte der Gast nach einem Konter das 0:2. Wolgast kam noch zum Anschlusstreffer und drückte anschließend auf den Ausgleich. Am Ende blieb es aber beim Auswärtssieg für Greifswald.
Positiv aufgefallen ist mir, dass es ein ausgesprochen faires Spiel war. Beide Mannschaften wollten definitiv gewinnen, haben sich dabei aber ausschließlich auf das Sportliche konzentriert. Top!
Fazit
Der Ground ist ein absolute Perle. Das lohnt sich dem hier mal einen Besuch abzustatten
Tore:
0:2 Jakob Dinter (70.)
1:2 k.A. (89.)
Aufstellung:
FC Rot-Weiß Wolgast:Trainer: Erik Lüdtke
HSG Uni Greifswald:
Trainer: Martin Manthey
Weitere Bilder
Persönliche Statistik:
- Mein 803. Ground (inkl. aller Sportarten)
- Mein 647. Fußball-Ground
- Mein 591. Ground in Deutschland
- Mein 477. Fußball-Ground in Deutschland
- Mein 610. Fußballspiel in Deutschland
- Mein 806. Fußballspiel insgesamt
- Mein 761. Sportereignis in Deutschland
- Mein 1009. Sportereignis insgesamt