TSV Schott Mainz
-
FK Pirmasens
2:1
(1:1)
Heißes Finale
Bisher hab ich vier Landespokalfinals gesehen:
- 2006/07: FC Erzgebirge Aue - SG Dynamo Dresden (Sachsen)
- 2011/12: Sievershäger SV - FC Schönberg 95 (Mecklenburg-Vorpommern)
- 2016/17: Eintracht Trier - TuS Koblenz (Rheinland)
- 2022/23: FSV Einheit Ueckermünde - Rostocker FC (Mecklenburg-Vorpommern)
Heute somit mein fünftes und das erste im Verbandspokal Südwest. Das Gebiet des Südwestdeutschen Fußballverbands (SWFV) deckt das südliche Rheinland-Pfalz ab. Ich hab mal geschaut, welche Mannschaften aus den oberen Ligen in dieser Saison dazugehört haben:
| Liga | Mannschaften |
|---|---|
| 1. Bundesliga | Mainz 05 |
| 2. Bundesliga | 1. FC Kaiserslautern |
| 3. Liga | – |
| Regionalliga Südwest | Mainz 05 II, Schott Mainz |
| Oberliga RPS | Gonsenheim, FK Pirmasens, Wormatia Worms, 1. FC Kaiserslautern II, Idar-Oberstein, Dudenhofen, Gau-Odernheim |
Zweite Mannschaften dürfen im Pokalwettbewerb nicht teilnehmen. Somit gab es keinen Drittligisten und nur einen Regionalligisten im Teilnehmerfeld. Die sportliche Qualität ist damit überschaubar. Und als Mannschaften mit Fanaufkommen sehe ich maximal FK Pirmasens und Wormatia Worms, wobei auch das sich im kleinen Rahmen bewegt.
Und dadrin liegt vermutlich auch die Wahl des Spielortes, nämlich die Ortschaft Weingarten (Pfalz), begründet. Auf großen Fanandrang muss man nicht vorbereitet sein. Eine zentrale Lage ist da eher von Vorteil. Weingarten ist eine Gemeinde im Landkreis Germersheim mit weniger als 2.000 Einwohnern. Der heimische SV Weingarten 2007 spielt aktuell in der Kreisklasse B. Wobei die Arena Weingarten kein handelsüblicher Kreisklasse-Platz ist. Um die Jahrtausendwende legte der Vorgängerverein, der SV Weingarten 1946, einen Durchmarsch von der Bezirksliga bis in die Oberliga hin. Finanziert durch einen Mäzen, erhielt das Stadion damals eine Tribüne für 500 Zuschauer, und hat laut Europlan ein Fassungsvermögen von 5.000 Zuschauern.
Über die vergangenen 20 Jahre gab es ein buntes Potpourri an Endspielorten im Südwest-Pokal. Als der 1. FC Kaiserslautern noch 3. Liga gespielt hat, war es, vermutlich aus sicherheitstechnischen Gründen, Pirmasens. In anderen Jahren wurde u.a. in Alzey, Grünstadt, Rockenhausen, Bobenheim-Roxheim, Mehlingen und Ingelheim gespielt. Für Weingarten ist es nach 2022 und 2025 das dritte Finale.
Wobei die Organisation dieses Events aus meiner Sicht schon Luft nach oben hatte. Das ging bei den Einlasskontrollen los. Die wurden durchgeführt, als wäre das ein Risikospiel. So wurde einem Großvater, der mit seiner Enkelin da war, verwehrt, einen kleinen Rucksack mit ins Stadion zu nehmen. Er wurde recht forsch am Eingang zurechtgewiesen, "so seien halt die Bestimmungen" und "er kann den Rucksack ja zum Auto zurückbringen". Wobei er berechtigterweise wenig motiviert war, nochmal zwei Kilometer zurückzulaufen. Womit wir zum zweiten Punkt kommen, der Parksituation. Als wir 45 Minuten vor Anstoß kamen, waren die beiden ausgewiesenen Parkplätze bereits voll und uns wurde gesagt, wir sollen entlang der Landstraßen parken. Das hat zu der Zeit noch hervorragend funktioniert, aber ich frage mich, wo die Leute geparkt haben, die kurz vor knapp kamen. Und die Alternative mit dem ÖPNV anzureisen gibt es hier auf dem Dorf nicht ernsthaft.
Die größten Fragezeichen hatte ich beim Zuschauerkonzept. In der Arena Weingarten sind mit Ausnahme der Tribüne alle Seiten des Stadions mit einem eher größeren Erdwall umgeben. Dort gibt es drei Stehplatzebenen. Als erstes unten am Umlauf, als zweites auf halber Wallhöhe und als dritte Ebene oben auf dem Wall. Wobei hinter den Toren auf Ebene 2 und 3 keine zwei Personen hintereinander stehen können, so schmal ist das da. Auf den Geraden ist minimal mehr Platz, aber üppig ist das ebenfalls nicht. Für 1.500 Zuschauer hätte das trotzdem locker gereicht. Nur haben sie die komplette Gegengerade gesperrt. Und dazu noch den kompletten ebenerdigen Umlauf. Das heißt, wer einmal zum Verpflegungsstand in der Ecke zwischen Gegen- und Hintertorgerade wollte, musste sich wie eine Bergziege über den Hügel vorkämpfen. Die eine verfügbare Reihe war bereits mit den Mainzer Fans belegt, so dass man sich bei Gegenverkehr irgendwie, halb den Steilhang hinaufgedrückt, vorbeischieben musste. Ich hatte mir auf Grund der Hitze Schlappen angezogen, Wanderschuhe wären hingegen die bessere Wahl gewesen.
Ich bin noch gut zu Fuß und am Ende sind es genau diese unerwarteten Geschichten, die man immer wieder gerne weitererzählt, die einfach so viel Spaß machen. Es hat mich weniger gestört, sondern eher wegen der offensichtlichen Unzulänglichkeit fragend zurückgelassen. In Deutschland gibt es für alles Regeln und Sicherheitsbestimmungen und dann kommt so ein verkorkstes Konzept bei rum? Echt komisch.
Dass die Gegengerade anfänglich gesperrt war, lag vermutlich am "Tag der Amateure" und der Tatsache, dass alle Finals live in der ARD übertragen wurden. Die Hauptkamera stand auf der Gegengeraden und um etwas mehr Füllgrad vorzutäuschen, wollte man die wenigen Leute mit Sicherheit eher auf der Tribünen- und damit der Fernsehseite haben. Allerdings lag die Tribünenseite auch voll in der Sonne, die erbarmungslos runtergeprasselt hat. Kurz nach Spielbeginn, vermutlich zum Schutz der Zuschauer, hat man die Gegengerade mit ein paar Schattenplätzen doch geöffnet. Absolut richtige Entscheidung. Warum hingegen niemand am Umlauf stehen durfte, weiß ich nicht. Das kann aus meiner Sicht nur eine Sicherheitsauflage gewesen sein.
In puncto Fans war heute mehr geboten, als ich erwartet habe. Jede Anhängerschaft hatte ihre "Kurve". Die FKP Supporter standen von der Tribüne aus gesehen rechts, die Schott Supporter links. Schott Mainz spielt die Ligaspiele auf einem gammeligen Kunstrasen vor 300 Zuschauern. Ich wusste gar nicht, dass die überhaupt eine organisierte Fanszene haben. Und doch haben sie ihren Hügel gut beflaggt. Links "Auf ihr Blaue!", mittig das Vereinswappen und rechts "TSV Schott". Das sah richtig gut aus (auch wenn das linke Banner glaub ich ein "n" vermisst hat). Zum Einlauf der Mannschaften wurden weiße und blaue Folien geschwenkt, ein Megafon und eine Trommel waren auch am Start. Der aktive Kern war überschaubar, ich denke, das waren maximal 10 Leute, aber sie haben jedenfalls für Stimmung gesorgt. Bester Spruch "Wir sind eure Hauptstadt, ihr Bauern!".
Pirmasens war zahlenmäßig überlegen, aber ohne organisierte Fanszene. Bei Angriffen und natürlich beim Tor der eigenen Mannschaft kam Stimmung rein, ansonsten war es aus der Ecke eher ruhig.
"Fußball ohne Pyro ist Scheiße". Getreu diesem Motto vermummte sich ein Mainzer Fan gegen Ende der zweiten Halbzeit und zündete eine Fackel. Verrückt, wie vom Ordnungspersonal direkt Jagd auf ihn gemacht wurde. Er hat versucht denen zu entkommen, aber auf dem unwegsamen Hügelgelände wurde er nach kurzem Kampf gestellt und abgeführt. Vollkommen unangemessen. Was soll diese Obsession gegen die Fackeln? Die immer wieder beschriene Gefahr erscheint mir deutlich übertrieben. Ein wenig Zündeln macht sowohl den Fans als auch den meisten neutralen Zuschauern mehr Spaß. Na ja, das wird hierzulande wohl eine ewige Diskussion bleiben. Also hoffentlich bleibt es eine Diskussion und endet nicht im leblosen englischen, spanischen oder portugiesischen Fußball, wo man nur noch zum Klatschen ins Stadion darf.
Fußball gespielt wurde auch noch. Wobei mir der Ausgang der Partie recht egal war. Ich hab zu keinem der Teams irgendeine Verbindung. Hätte man mich vor dem Spiel gefragt, wer gewinnen soll und "egal" keine akzeptierte Antwort ist, hätte ich mich für Pirmasens entschieden - Tradition und unterklassiger Verein. Nachdem mich die Schott Fankurve mit ihrem Auftreten deutlich mehr mitgenommen hatte, hat sich meine "Sympathie" gedreht. Doch vor allem wollte ich einen Sieger in der regulären Spielzeit sehen. Mich hatte die sengende Sonne 90 Minuten lang ordentlich weichgekocht, ein wirklich mitreißendes Spiel war es auch nicht und bei pünktlichem Abpfiff ergäbe sich noch die Chance auf einen Ausflug nach Bischweier. In der vierten Minute der Nachspielzeit hat Étienne Portmann schließlich alle erlöst und Schott zum Pokalsieger geschossen. In der Entstehung war das eine schöne Einzelleistung im Mittelfeld, dann aber ein klarer Zuordnungsfehler der Pirmasenser Abwehr, die den Torschützen unbewacht im Strafraum hat stehen lassen, so dass der die Kopfballablage unbedrängt einschieben konnte.
Fazit: Ein Spiel, das am Ende viel mehr zu erzählen hatte, als ich erwartet habe. Sehr interessant
Aufstellung:
TSV Schott Mainz:Trainer: Samuel Horozovic
FK Pirmasens:
Trainer: Daniel Paulus
Tore:
1:1 Wiltz (29.)
2:1 Portmann (90.+4)
Weitere Bilder
Externe Berichte:
Persönliche Statistik:
- Mein 789. Ground (inkl. aller Sportarten)
- Mein 633. Fußball-Ground
- Mein 578. Ground in Deutschland
- Mein 464. Fußball-Ground in Deutschland
- Mein 597. Fußballspiel in Deutschland
- Mein 792. Fußballspiel insgesamt
- Mein 748. Sportereignis in Deutschland
- Mein 995. Sportereignis insgesamt