Gefühlt ein neuer Ground
Vor 21 Jahren war ich bisher das einzige Mal im Ernst-Abbe-Sportfeld, beim Aufstiegsrückspiel zur Regionalliga gegen den MSV Neuruppin. Das war noch lange vor dem großen Um- und Neubau. Somit war es mal wieder Zeit, mir den 2024 fertiggestellten Stadionumbau anzuschauen.
Eine der wichtigen Fragen aus Groundhopping-Sicht: Neuer Ground oder Bestätigung des bestehenden Grounds?
Zitat aus Europlan: „Wird bei uns nicht als neuer Ground geführt, da die alte Haupttribüne noch steht und der Platz nicht verschoben wurde.“ In der Theorie klingt das schlüssig, aber nach meinem Gefühl ist das ein neuer Ground. Da muss man schon sehr viel Fantasie aufbringen, um das als denselben Ground zu empfinden. Aber gut, Regeln sind halt Regeln. Und am Ende ist es auch egal, wer das wie zählt. Ich wollte das Stadion auf jeden Fall besuchen.
Ein Block, zwei Fanlager
Vor allem auch, wenn man den Kampf der aktiven Fanszene um ihre Südkurve kennt. Beim Bau des neuen Stadions wurde von offizieller Seite festgelegt, die Heimfans auf die Nordtribüne umzusiedeln und die Südtribüne den Gästen zu reservieren. Sowas kann man mit Opernpublikum machen. Aber wer sich ein wenig mit Fußball und seiner Fankultur auskennt, weiß, wie naiv eine solche Entscheidung war und ist. Vor allem, da sie ohne Einbindung der aktiven Fanszene getroffen wurde. Dazu ist die Jenaer Fanszene nicht nur ein reiner Stimmungsblock, sondern auch in die aktive Vereinsarbeit eingebunden. Das ist keine Gruppe, die man einfach mit solchen Entscheidungen überrollen kann.
Und so kam es, wie es kommen musste: Die aktive Fanszene kämpfte mit „allen“ Mitteln für den Verbleib auf der Südtribüne. Somit beherbergt diese Tribüne aktuell sowohl die Heim- als auch die Gästefans. Das ist, wenn auch aus anderen Gründen, am Ende ähnlich wie beim F.C. Hansa Rostock. Eine ausführlichere Aufarbeitung findet sich im Artikel zum Ernst-Abbe-Sportfeld.
Der Serienmeister zu Gast
Als Liebhaber der Fankultur habe ich uns somit Karten für die Westtribüne nahe der Südtribüne besorgt, um beide Fangruppen aus der Nähe erleben zu können. Zu Gast war der Serienmeister der DDR, der BFC Dynamo. Diese Zuschreibung ist für mich immer noch das, was den Club ausmacht. Denn nach der Wende haben sie sportlich nichts Signifikantes mehr gerissen. 1991 scheiterten sie an der Qualifikation zur 2. Bundesliga und mäandern seitdem in den „Niederungen“ der Ligen. 2022 standen sie mal kurz vor dem Aufstieg in die 3. Liga, scheiterten jedoch in den Play-offs am VfB Oldenburg. Womit wir wieder beim unsäglichen Regionalliga-Aufstiegsthema wären. Denn es bleibt dabei: „Meister müssen aufsteigen“. Dafür setzen die Regionalligisten in dieser Saison bei jedem Spiel ein Zeichen: In der ersten Minute ruht der Ball, so auch heute. Möglicherweise löst sich das endlich im Dezember, wenn hoffentlich final über das Kompassmodell abgestimmt wird.
Rund 300 Gästefans hatten am heutigen Freitagabend den Weg an die Saale auf sich genommen. Ich schätze, 50 davon hatten sich in der Blockmitte hinter einigen Bannern versammelt und versuchten, für Stimmung zu sorgen. Gegen den Jenaer Block hatten sie allerdings wenig Chance. Nur wenn die Heimfans mal ruhig waren, waren die Berliner zu hören. War aber „trotzdem“ sehr cool, mal eine signifikante Anzahl an Gästefans im Block zu sehen.
Torloses Verfolgerduell
Sportlich war es ein Spitzenspiel. Es trafen die Mannschaften auf den Plätzen vier und fünf aufeinander, beide mit 25 Punkten und damit fünf Zählern Rückstand auf den Chemnitzer FC, den aktuellen Tabellenführer. In dieser Saison steigt in der Regionalliga Nordost der Meister direkt auf.
Das Spiel selbst war ordentlich. Jena war am Anfang und am Ende besser, dazwischen hatte der BFC seine Phase. Die beste Chance hatte der eingewechselte Luca Wollschläger, der eine Viertelstunde vor Schluss nur den Außenpfosten traf. Und kurz vor Schluss musste Jenas Keeper Till Härting einen Berliner Kopfball noch über die Latte lenken. Wir hätten sehr gerne einen Torjubel im Stadion erlebt, die Chancen waren auf jeden Fall da. Doch es blieb beim 0:0.
Live besser als im Fernsehen
Im Fernsehen fand ich den Ground selber nach dem Umbau eher langweilig. Aber live vor Ort muss ich meine Einschätzung revidieren. Ich weiß nicht genau, was vor Ort anders wirkt, aber obwohl es ein geschlossener Kasten ist, fand ich es recht spannend. Möglicherweise lag es auch daran, dass ich auf der gegenüberliegenden Seite der TV-Kameras saß. Die neue Haupttribüne, auf die wir geschaut haben, sieht jedenfalls deutlich spannender aus als die alte Tribüne, die man üblicherweise im Fernsehen zu sehen bekommt. Wie auch immer: Mir hat der Besuch richtig Spaß gemacht.
Aufstellung
FC Carl-Zeiss-Jena
- Till Härtingim Tor
- Sören-Kurt Reddemann
- Kevin Lankford
- Manasse Eshele 63. Elias Löder, 82. Dion Ajvazi
- Malik Talabidi
- Emilio Munser 46. Tristan Sören Teuber
- Moritz Fritz
- Jannes Werner 90. Maurice Hehne
- Jean Miguel Boog
- Nils Butzen
- Timon Burmeister 63. Luca Wollschläger
Trainer Marco Grote
BFC Dynamo
- Kevin Sommerim Tor
- Viktor Miftaraj
- Levin Amon Mattmüller
- Valdemar Sadrifar
- Rufat Dadashov 88. Herdi Bernard Boloko Bukusu
- Larry Nana Oellers
- Joey Breitfeld 77. Leander Fritzsche
- Ludwig Bölke 77. John René Liebelt
- Tim Windsheimer 88. Ali Ceesay
- Tobias Gunte
- Diren-Mehmet Günay 71. Justin Noah Seven
Trainer Sven Körner
Schiedsrichter Florian Strübing
Weitere Bilder
Hintergrund
Video:
Externe Berichte
- fc-carlzeiss-jena.de Torloses Verfolgerduell
- bfc.com Unentschieden: BFC Dynamo punktet auch in Jena
- sportschau.de Kein Sieger im Verfolgerduell Jena gegen BFC Dynamo
Die Saison
- Wikipedia Fußball-Regionalliga Nordost 2026/27
Persönliche Statistik
- 2. Besuch · Ernst-Abbe-Sportfeld
- Sportereignis #1030 · #779 in Deutschland
- Fußballspiel #827 · #628 in Deutschland