Fußballspiele sind selten ein Ort für reflektierte Meinungsäußerungen, kluge Zurückhaltung und respektvolles Miteinander. Und dann gibt es Plätze wie Germendorf, wo es richtig Assi ist.
Es war ein Spiel zweier Zweiter Mannschaften in der untersten Liga Brandenburgs. Für keine der Mannschaften ging es um irgendwas. Dafür fand ich 45 Zuschauer echt okay.
Aber der laute Teil von denen war schlicht daneben. Mit dem Bier in der Hand an der Spielfeldecke stehen, aber bei einer Schiedsrichterentscheidung in der gegenüberliegenden Hälfte herumbrüllen. Zwei Zitate eines Zuschauers mit Puls 180. Das Erste in der Pause über die Spieler: „Ich verstehe nicht, warum die nicht richtig reingehen. Nur ein offener Bruch zählt“. Der zweite nach Spielende in Richtung Schiedsrichter aufgrund eines ausgebliebenen Abseitspfiffes: „Der braucht ein paar auf die Fresse“. Dazu wurde ein ausgewechselter gegnerischer Spieler blöd angemacht. Gepaart mit diesem dämlichen Lachen – einer Mischung aus Unsicherheit, Dummheit und der gefühlten Sicherheit durch die große Gruppe. Unangenehm.
Und das passte leider auch zum Auftreten der Mannschaft. Oberassi war der Trainer, der alle Entscheidungen des Schiedsrichters kommentiert hat. So von oben herab, auf Konfrontationskurs. Unnötig. Und der Kapitän auf dem Feld stand ihm in nichts nach. Nur am Meckern und Diskutieren. Sein Glück war, dass der Schiedsrichter die Wichtigkeit des Spiels besser einschätzen konnte und nur leicht abgewendet meinte: „Eigentlich möchtest du wohl eine gelbe Karte“, sie aber hat stecken lassen.
Bei all dem muss ich den Gästen ein großes Lob aussprechen: Im Gegensatz zum Heimteam zeigten sie ein durchweg faires Verhalten, sowohl von der Bank als auch auf dem Platz. Sie haben ihr Ding durchgezogen, Schiedsrichterentscheidungen akzeptiert und von außen positiv motiviert. Und zum Glück auch 2:0 gewonnen. So ein Verhalten muss einfach belohnt werden.