Aus meiner Kinder- und Jugendzeit kenne ich den FC Homburg als Erst- und Zweitligist. Die frühe Prägung sitzt so tief, dass ich, wenn ich heute „Homburg“ höre, immer noch an großen Fußball denke. Und so hatte ich ganz intuitiv heute ein stimmungsvolles Pokalspiel erwartet.
Gastgeber dieses Achtelfinal-Nachholspiels im Saarlandpokal war der SC Friedrichsthal, eine Mannschaft aus der Landesliga Saarland Süd. Das ist Stufe 8 der Ligapyramide. Bei einem Spiel gegen einen Regionalligisten war die Favoritenrolle somit klar vergeben.
Ca. 500 Zuschauer wollten das Spiel sehen. Fantechnisch trat Homburg, entgegen meiner Hoffnung, allerdings komplett gar nicht in Erscheinung. Keine Fanszene, keine Banner, keine Bengalos. Auf der Gegentribüne versammelten sich schon geschätzte 50 Homburger. Dadurch, dass beide Vereine grün-weiß als Farbe haben, fielen sie jedoch erst beim Torjubel auf.
Apropos Torjubel – es hat im Verhältnis zum Klassenunterschied beider Teams sehr lange gedauert, bis der Ball mal im Tor lag. Von Beginn an setzte Homburg den Gegner unter Druck. Wiederholt war es der Versuch, über die rechte Seite Richtung Grundlinie zu kommen, dann einen scharfen Pass in die Mitte zu spielen und zu hoffen, dass diesen einer verwertet. Hat aber nicht funktioniert. Offensiv hatte Friedrichsthal, soweit ich mich erinnern kann, nur einen ungefährlichen Torabschluss in Hälfte eins. Und so ging es torlos in die Pause.
Nach Wiederanpfiff das gleiche Bild: Homburg drückte und stand extrem hoch. Und so kam er – Friedrichsthals goldener Moment. Ein einziger Konter, ein Spieler alleine auf den Homburger Torwart zulaufend … und dann? Nun ja, von meiner Position aus schwer zu sagen – war es ein Platzfehler? Kalte Füße? Ein Moment der philosophischen Selbstreflexion? Jedenfalls dauerte der Abschluss zu lange, und ein Homburger Verteidiger klärte in letzter Not zur Ecke. Großchance vertan.
Doch im Sport ist es von Vorteil, die vergangene misslungene Aktion auszublenden und stattdessen nach vorne zu schauen. Und so hat Friedrichsthal einfach den resultierenden Eckball verwertet. 1:0 Führung für den Außenseiter. Absolut unverdient, aber wer fragt schon danach.
Weitere 20 Minuten hielt die Führung, während Homburg den Druck konstant erhöhte. Tropf, tropf, tropf - irgendwann bricht der Damm. 72. Minute, 74. Minute – Doppelschlag, Spiel gedreht. Das war jetzt keine Glanzleistung des Regionalligisten, ich würde sogar sagen, viele Aktionen waren echt schwach gespielt für einen Viertligist. Aber es hat gereicht. Und nur das zählt im Pokal.