1. FC Union Berlin
-
Bayer 04 Leverkusen
1:2
(1:0)
6.076 Zuschauer (davon 5 Gästefans)
Fußball, Frauen-Bundesliga (2025/26), 15. Spieltag
Eintritt: 30 €
Eisern Union
Zu meinem Geburtstag im August vergangenen Jahres hatte ich einige Sportereignisse geschenkt bekommen. Es war ein buntes Potpourri an Sportarten, und ein Event war besser als das andere. Es ging los mit Fußball-Bundesliga Bayer 04 Leverkusen – TSG 1899 Hoffenheim, dann folgte Tischtennis-Bundesliga SC Grünwettersbach – Borussia Düsseldorf und schließlich gab es beim Eishockey ein Wiedersehen mit den Eisbären Berlin. Ende Oktober folgte das absolute Highlight mit dem Fußball-Länderpunkt Albanien und Spielen in Shkodër und Durrës. Es ging munter weiter. Im November war ich zum Basketball-Bundesligaspiel MHP Riesen Ludwigsburg – EWE Baskets Oldenburg eingeladen und schließlich im Dezember bei der Handball-WM der Frauen. Verrückt, das waren alles großartige Ausflüge.
Ein Event stand noch aus. So hat mir mein Onkel einen gemeinsamen Besuch bei Union Berlin geschenkt. Da jedoch niemand von uns Vereinsmitglieder bei Union ist, ist es nahezu unmöglich, vier Tickets für die Männermannschaft zu bekommen. Vermutlich hätte ich auch bei freier Auswahl ein Spiel der Damen gewählt, aber so wurde mir die Entscheidung abgenommen.
Die Frauen von Union Berlin haben in den letzten Jahren einen steilen Aufstieg hingelegt – wobei ihre Geschichte schon lange zurückreicht. Die Frauenmannschaft beim 1. FC Union Berlin besteht seit 1969 und war eines der ersten Frauenteams in der DDR. Mit der Eingliederung des Frauenfußballs in den Volkssportbereich durch den DDR-Fußballverband im Sommer 1971 änderten sich die Rahmenbedingungen für das Team. Da Union Berlin als Leistungsklub keine Freizeitmannschaft führen durfte, mussten sich die Spielerinnen einen neuen Verein suchen. In der Folge schlossen sie sich als Volkssportgemeinschaft dem Kabelwerk Oberspree an. Nach der Wende löste sich die BSG Kabelwerk Oberspree Berlin, und Union Berlin bekam wieder ein eigenes Frauenteam. Die folgenden 30 Jahre spielte das Team meist in der Drittklassigkeit, mit vereinzelten Ausflügen in die 2. Bundesliga. Zur Saison 2023/24 wurde die 1. Frauenmannschaft in eine reine Profiabteilung umgewandelt. Sie stiegen in der Saison verlustpunktfrei von der Regionalliga in die 2. Bundesliga auf und zogen wie die Männer ins Stadion an der alten Försterei. Es gelang mit Platz 1 in der 2. Bundesliga der direkte Durchmarsch und so spielen sie 2025/26 ihre Bundesliga-Premierensaison. Die Bundesliga wurde zu dieser Saison auf 14 Teams aufgestockt. Das ist mit 26 Spieltagen eigentlich immer noch ein überschaubarer Terminkalender. Da die Liga aber erst Anfang September startet und Mitte Mai schon wieder beendet ist, kommt sie trotzdem nicht über einige Winterspieltage hinweg. Damit sind wie jedes Jahr die Spielabsagen vorprogrammiert. Wirklich klar ist mir nicht, warum sie nicht Mitte August anfangen und noch einen weiteren Spieltag in den Mai schieben. An diesem Spieltag hat es direkt Jena und Frankfurt getroffen, bei denen der Platz aufgrund der winterlichen Temperaturen nicht bespielbar war. Das Problem haben die Frauen von Union zum Glück nicht. Die Alte Försterei hat eine Rasenheizung, die aufgrund des Männer-Spielbetriebs ja ohnehin läuft. Und die Rasenheizung war für das heutige Spiel definitiv notwendig. Es herrschte seit Tagen Dauerfrost in Berlin und heute Abend waren es kühle −5 °C. An mein kältestes Spiel in Rostock aus dem Jahr 2009 mit −11 °C kommt es nicht ran, aber Platz zwei der Frostrangliste könnte es sein. Union bietet zum Glück zu der Jahreszeit Glühwein an, das versprüht gleich ein wenig Weihnachtsmarkt-Feeling. Mein Onkel hat sich nicht lumpen lassen und Karten in allerbester Lage geholt. Sitzplätze, zentral an der Mittellinie, Reihe 6. So direkt am Spielertunnel zu sitzen und die Spielerinnen von Nahem zu sehen ist schon was Besonderes.Zu Beginn der Partie wurde Dr. Riem Hussein, die Schiedsrichterin der heutigen Partie, für ihren 150. Bundesliga-Einsatz geehrt. Diese Zahl hatte vor ihr noch keine Schiedsrichterin erreicht. Ich habe sie heute zum zweiten Mal live gesehen. Das erste Mal war es beim Pokalfinale 2010.
Bei den Temperaturen, einem semi-attraktiven Gegner aus dem Tabellenmittelfeld und einem Spiel, was noch keinerlei Entscheidungscharakter hat, war ich nicht sicher, ob da viele Zuschauer kommen würden. Dazu kam, dass am Folgetag die Männer gegen Dortmund gespielt haben. Gut möglich, dass einige sagen, ein Spiel an einem Wochenende reicht. Und dann waren knapp über 6.000 Zuschauer im Stadion. Das fand ich richtig gut. Union hat in der Regionalliga und der 2. Bundesliga „alle“ Zuschauerrekorde gebrochen. Und auch in der Bundesliga stehen sie hinter Bayern München auf Rang 2 der Zuschauertabelle.
Die Waldseite, also der Fanblock bei den Männerspielen, bleibt bei den Frauenspielen geschlossen. Die gegenüberliegende Hintertorseite mit dem Gästeblock blieb ebenfalls leer. Die Handvoll Leverkusener, die ich gesehen habe, waren auf der Haupttribüne verteilt. Der Stimmungsblock versammelt sich auf der Gegengerade auf Höhe der Mittellinie. So viele Bundesliga-Spiele der Frauen habe ich bisher nicht live gesehen, aber das war die beste Stimmung bisher. Interessant war, dass es erst nach 12 Minuten losging. Bis dahin hing ein Banner „Alle vereint – gegen Montagsspiel“. So und so ähnliche Banner hingen diesen Spieltag in allen Stadien. Das ist dann wohl eine koordinierte Aktion.Union stand vor dem heutigen Spiel bei 15 Punkten und Tabellenplatz neun. Nach oben wird sicher nichts mehr gehen. Auf den ersten Abstiegsplatz sind es acht Punkte Vorsprung. Da kürzlich alle Kellerkinder angefangen haben zu Punkten, wird der ein oder andere Sieg noch notwendig sein, um die Klasse zu halten.
Bayer Leverkusen ist im Gegensatz zu Union eine feste Größe in der Frauen-Bundesliga. 2010 gelang ihnen der Aufstieg und seitdem spielen sie mit Ausnahme einer einzigen Saison durchgehend im Oberhaus. Die beste Platzierung erreichten sie vergangene Saison mit Platz vier. In die aktuelle Saison starteten sie gut rein und standen am neunten Spieltag auf Tabellenplatz drei. Doch seitdem lief nicht mehr viel zusammen. Durch vier Niederlagen in fünf Spielen sind sie auf Platz sieben abgerutscht. Wobei es trotzdem nur vier Punkte Rückstand auf Werder Bremen und Platz 3, also dem ersten internationalen Startplatz, sind.Obwohl ich klar für Union war, habe ich mich gefreut, mal wieder Vanessa Fudalla live spielen zu sehen. Sie ist nach fünf Jahren RB Leipzig zu dieser Saison zur Werkself gewechselt und hat dort bereits acht Tore erzielt.
Das Spiel ging gleich munter los, mit hochkarätigen Chancen für beide Teams. Union traf einmal den Pfosten, Bayer stand zweimal mehr oder weniger frei vor der Torhüterin, doch hat den Ball, warum auch immer, nicht im Tor unterbekommen. Ein Eckball brachte vor der Pause die Führung für Union. Wirklich verdient war es nicht. Egal. Als in der 68. Minute eine Leverkusenerin mit Gelb-Rot vom Platz musste, dachte ich, dass Union die Führung nach Hause bringt. Das Gegenteil ist passiert. Bayer wurde mit einer Spielerin weniger, eher stärker. In der 78. Minute hat Union einen Freistoß zentral kurz vor der Strafraumgrenze hergeschenkt. Wer anderes als Fudalla sollte das machen. Die Mauer stand von der Schützin gesehen links. Doch die Torhüterin positionierte sich mittig, statt die Torwartecke zu besetzen. Und so konnte Fudalla den Ball auch als Linksfuß „einfach“ rechts reinhauen. Ich glaube zu verstehen, was die Torhüterin vorhatte, trotzdem ist es aus meiner Sicht ein Stellungsfehler. Bayer blieb gefährlich und ich fand, Union hätte zu diesem Zeitpunkt zufrieden sein können, hätten sie wenigstens den einen Punkt mitgenommen. Doch in der Nachspielzeit tankte sich wieder Fudalla über rechts durch, schob den Ball in die Mitte, wo Kögel frei einschieben konnte. Sehr schade. Aus neutraler Sicht aber verdient.Das Heimteam wurde, wie bei Union üblich, trotzdem von den Fans gefeiert. Die nächsten beiden Spiele sind gegen Essen und Jena, also die beiden Teams, die gerade auf den Abstiegsrängen stehen. Danach könnte der Klassenerhalt sicher sein, oder es wird nochmal richtig eng. Ich bin gespannt.
Fazit: „Und niemals vergessen: Eisern Union!“
Aufstellung:
1. FC Union Berlin:Trainer: Ailien Poese
Bayer 04 Leverkusen:
Trainer: Roberto Pätzold
Tore:
1:1 Fudalla (78.)
1:2 Kögel (90.+2)
Gelbe Karte:
Gelb-Rote Karte:
Weitere Bilder:
Externe Berichte:
- sportschau.de Trotz Überzahl und Führung - Union verliert gegen Leverkusen
- bayer04.de 2:1 bei Union Berlin: Bayer-04-Frauen gewinnen in Unterzahl
Die Saison:
Persönliche Statistik:
Dieses Sportereignis war:- Mein 573. Fußballspiel in Deutschland
- Mein 765. Fußballspiel insgesamt
- Mein 717. Sportereignis in Deutschland
- Mein 960. Sportereignis insgesamt
- Mein 2. Sportereignis im Stadion An der Alten Försterei