Bremer SV
-
1. FC Phönix Lübeck
0:0
(0:0)
1.025 Zuschauer (davon 20 Gästefans)
Fußball, Regionalliga Nord (2026/27), 3. Spieltag
Eintritt: 15 €
Bier. Wurst. Panzenberg.
Auf dem Rückweg vom Sommerurlaub haben wir einen zweitägigen Zwischenstopp in Bremen eingelegt. Und wie der Zufall es so will, hatte die Regionalliga einen Unter-der-Woche-Spieltag angesetzt, und am ersten Abend unseres Aufenthaltes hatte der Bremer SV auch noch ein Heimspiel. Und wenn solche Gelegenheiten den Weg kreuzen, muss man sie doch nutzen.
Der Bremer SV gehört zu den traditionsreicheren Vereinen im norddeutschen Fußball. Gegründet wurde er am 1. Januar 1906 von fußballbegeisterten Bremer Jugendlichen als Bremer Ballspielverein Sport. 1920 wurde daraus der heutige Bremer Sport-Verein von 1906. Seine erfolgreichste Zeit erlebte der BSV nach dem Zweiten Weltkrieg. 1947 waren sie Gründungsmitglied der Oberliga Nord, damals die höchste deutsche Spielklasse. Zwei Jahre später gelang mit Platz fünf die beste Platzierung der Vereinsgeschichte – noch vor dem großen Nachbarn SV Werder Bremen.
Nach dem Abstieg 1955 gelang 1961 noch einmal die Rückkehr in die Oberliga Nord. Es blieb allerdings bei einem kurzen Gastspiel: Nach der Saison 1961/62 war der BSV wieder zweitklassig – und sollte nie wieder in die höchste deutsche Spielklasse zurückkehren. Und so lautet der augenzwinkernde Vereinsslogan: „Seit 1962 nicht in der Bundesliga“. Nach Jahrzehnten zwischen Bremen- und Oberliga gelang 2022 schließlich erstmals der Aufstieg in die Regionalliga Nord. Dort hat sich der Verein inzwischen etabliert, allerdings unter Bedingungen, die mit Profifußball wenig zu tun haben.
Der BSV ist finanziell ein klassischer Amateurverein und musste vor dieser Saison sogar ernsthaft über einen freiwilligen Rückzug aus der Regionalliga nachdenken. Grund dafür waren unter anderem fehlende Einnahmen aus dem DFB-Pokal. Als Regionalligist war der BSV vergangene Saison die klassenhöchste Mannschaft Bremens, scheiterte allerdings im Landespokal-Halbfinale am Bremen-Ligisten Hemelingen und verpasste somit die lukrativen Einnahmen. Letztlich entschied man sich für den Verbleib in der vierthöchsten Spielklasse – wohl auch, weil ein Rückzug sportlich und für die weitere Entwicklung des Vereins ein ziemlich bitterer Schritt gewesen wäre.
Der Bremer SV trägt seine Heimspiele im Stadion am Panzenberg im Bremer Stadtteil Walle aus. Er spielt hier seit 1963, nachdem die alte Spielstätte an der Dedesdorfer Straße den Anforderungen nicht mehr genügte. Der „Panze“ ist ein klassisches Fußballstadion ohne Laufbahn. Auf der einen Seite gibt es eine große überdachte Haupttribüne, auf der Gegengerade ist der Ausbau unüberdacht.
Aktuell sind bei Spielen 4.999 Zuschauer zugelassen. Neben überwiegend Stehplätzen gibt es noch 320 Sitzplätze. Diese Sitzplätze sind jedoch kein separater Block, sondern befinden sich auf beiden Tribünen unterhalb der Stehränge. Beim EHC Freiburg (Eishockey) und auf einer Hintertortribüne von Altach habe ich das schon mal gesehen. Aber an weitere Stadien mit einer ähnlichen Aufteilung von Steh- und Sitzplätzen kann ich mich gerade nicht erinnern.
Eine Flutlichtanlage gibt es hier am Panzenberg nicht, vermutlich startete das heutige Spiel deswegen auch schon um 18:00 Uhr – eine ja eher ungewöhnliche Anstoßzeit unter der Woche. Überhaupt war der Panzenberg in den vergangenen Jahren immer wieder ein Sorgenkind: Der bauliche Zustand führte zeitweise sogar zu einer Sperrung, und für DFB-Pokalspiele ist das Stadion inzwischen nicht mehr zugelassen.
Trotzdem ist der „Panze“ für den BSV weit mehr als nur ein Fußballplatz. Seit über 60 Jahren ist er die Heimat des Vereins und damit ein Stück Bremer Fußballgeschichte. Und genau diese Mischung aus angestaubtem Charme, enger Bebauung, Haupttribüne und Stehrängen macht die Anlage voll spannend.
Den Slogan „Seit 1962 nicht in der Bundesliga“ hatte ich ja schon erwähnt. Auf den Banden um den Rasen sind noch weitere Perlen davon zu sehen:
- „Bier. Wurst. Panzenberg.“
- „meine liebe liegt unter der hochstraße rechts“
- „Ich zahle alles“ (von der Vereinslegende Michael Pohl)
- „bei uns wird fußball großgeschrieben“
2022 haben die Fans beim Pokalspiel gegen Schalke 04 ein Transparent mit dem Spruch „Choreo fällt heute aus, haben das Geld beim Aufstieg versoffen!“ aufgehängt. Wenn Verein und Fans diese Selbstironie an den Tag legen, verspricht das schon mal eine angenehme Standardatmosphäre. Genau das kann ich zu 100 Prozent bestätigen. Auch der Anteil an „alternativem“ Publikum war definitiv höher als anderswo. Es gab hier schon viele spannende T-Shirts zu bewundern. Dass sich der Verein und augenscheinlich auch ein großer Teil des Publikums deutlich gegen Rassismus, Homophobie und andere Arten der Ausgrenzung aussprechen, ist schön zu sehen.
1.000 Zuschauer an einem Mittwoch in der Ferienzeit sind für ein Regionalligaspiel ganz okay. Eine echte Konkurrenz zum großen SV Werder Bremen ist der Bremer SV damit aber wohl kaum. Wobei ich auch nicht weiß, wie das Verhältnis zwischen den beiden Vereinen und ihren Fans ist. Am Einlass stand jedenfalls jemand im Werder-Trikot. Daraufhin musste sich der Ordner erst bei seinem Chef rückversichern, ob der so rein darf. Die Antwort: „Ja, heute ist das okay.“ Die Frage, die ich mir dann stelle: Wann ist es nicht okay – und warum?
Der Gästeblock im Panzenberg ist absolut abgeranzt. Die drei Sitzplatzreihen unten haben schon deutlich bessere Zeiten gesehen und scheinen aktuell ohnehin gesperrt zu sein. Die rund 20 Lübecker Fans sind jedenfalls gar nicht erst hier rein, sondern haben sich auf der Haupttribüne, direkt angrenzend an den Gästeblock, im Stehbereich platziert.
Auf Bremer Seite gab es viele Banner, aber wenig Stimmung. Gut angeflaggt ist hier auf beiden Tribünen. Einen organisierten Support scheint es allerdings nicht zu geben. Scheint mir, die meisten sind zum Biertrinken, Leute treffen und Fußballgucken hier.
Der heutige Gegner, der 1. FC Phönix Lübeck, war auf dem Papier der Favorit. Laut Transfermarkt haben sie den vierthöchsten Kaderwert der Liga, der Bremer SV dagegen den viertkleinsten. Das hat man auf dem Spielfeld auch gesehen. Es gab ein paar Chancen auf beiden Seiten, doch ins Tor treffen „wollte“ niemand. Und so blieb es beim 0:0. Das ist für Bremen vermutlich der wertvollere Punkt.
Fazit: Nachdem ich schon öfter gehört hatte, dass sich ein Besuch beim Bremer SV lohnt, aber überhaupt nicht wusste, was mich da erwartet, konnte ich diese Hopper-Lücke heute füllen. Absolut top!
Aufstellung:
Bremer SV:Trainer: Ralf Voigt
1. FC Phönix Lübeck:
Trainer: Björn Joppe
Rote Karte:
Weitere Bilder
Die Saison
Persönliche Statistik:
- Mein 804. Ground (inkl. aller Sportarten)
- Mein 648. Fußball-Ground
- Mein 592. Ground in Deutschland
- Mein 478. Fußball-Ground in Deutschland
- Mein 612. Fußballspiel in Deutschland
- Mein 808. Fußballspiel insgesamt
- Mein 763. Sportereignis in Deutschland
- Mein 1011. Sportereignis insgesamt